Die große Reise * Teil I


Als Piefke morgens die Nase hinaus in die Welt steckte, roch sie nicht wie sonst. Schon einige Male hatte der Morgen sich anders angefühlt als sonst. Irgendwie kalt und klamm.


Und wenn er abends auf den See blickte, schien er leer, als ob all seine Bewohner schon schlafen gegangen oder verreist wären.


„Wo seid ihr nur?“, rief das kleine Chamäleon traurig. „Es ist wohl Zeit, aufzubrechen“, sagte es zu sich selbst.

Und so begann seine Reise.


Er war noch nicht weit gekommen, als der erste Schnee fiel. Es war nicht viel, aber schrecklich kalt und verstecken konnte man sich auf dem weißen, harten Boden auch nur schwer. So dauerte es nicht lange, bis Piefke von einem Hund entdeckt wurde.


Er rettete sich schließlich auf einen Zweig, tief versteckt in piekenden Nadeln, die ihm zwar Schutz, aber keine Wärme boten. Auf seiner Suche nach einem Winterquartier kam Piefke schließlich ans Meer, das bereits von einer dünnen Eisschicht überzogen war. Da Waldchamäleons, wie Piefke eins war, das Meer nicht kennen, wagte er sich darauf, um es zu überqueren.


Nach langer Wanderung traf er einen Pinguin, den er um Hilfe bat. „Da musst Du lang!“, brummte der mürrisch.
Traurig blickte Piefke in die Weite des Eises und ließ den Kopf hängen.
„Na gut“, knurrte der Pinguin. „Ich begleite Dich ein Stück.“


Zusammen fanden sie den Weg ans rettende Ufer beinahe mühelos.
„Du solltest in diese Richtung gehen, denn bei den Menschen ist es immer warm.“, sagte der Pinguin und wies Piefke den Weg in die Stadt.


Noch einmal blickte er sich um und betrachtete staunend die riesige See, umsäumt von Steinen, wie man sie im Wald nicht findet und jenem seltsamen Turm, der blinkend an der Spitze des Landes stand und ihn ein klein wenig an einen kahlen Baum erinnerte.


Auf seinem beschwerlichen Weg über den Sand traf Piefke auf ein Mädchen.
„Na Du kleiner Kerl?“, lachte es. „Was machst Du denn hier ohne Schal und Mütze?“
„Mir ist so kalt und ich weiß nicht, wo ich hin soll“, fiepte Piefke leise. Aber da die Menschen die Sprache der Tiere nicht sprechen, verstand sie ihn nicht.
„Ich bin Sanne“, rief sie fröhlich. „Komm doch mit zu mir, da ist es schön warm und ich habe ganz viel Spielzeug. Das reicht für uns beide!“


Und so kam es, dass Piefke Weihnachten in seinem neuen Zuhause verbrachte, wo sich Sanne um ihn kümmerte und er nicht mehr frieren musste.

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Ein Gedanke zu „Die große Reise * Teil I“

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