Die wirklich wahrste Wahrheit, mit der ich noch nicht durch bin.

14) Studium heißt nicht, Inhalte zu wissen.
Ein sehr verbreiteter Irrtum. Die Korrektur basiert auf der Ehrlichkeit der Profs und eigenen Erfahrungen. Wichtig sind nur die Fragen wie? (Methode, um an das Wissen zu gelangen, z.B. Recherche oder Nachbarn fragen), wo? (Programm, Buch, Person) sowie die geistige Fähigkeit, auch ohne Hintergrundwissen etwas Sinnvolles sagen zu können. Und wenn es mit den Worten “Dazu kann ich leider nichts sagen, aber zum Thema Y!” passiert.
Hinterher interessiert sich sowieso keiner mehr für die Sachen, die wir jetzt gelernt haben. Da zählt eine Mischung aus “wo krieg ich es schnell her”, “wie verkaufe ich mich gut” und einem nicht zu unterschätzenden Haufen aus Schlüsselkompetenzen.
Janz einfach also.
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15) Steuerung ist alles.
Das war (in etwa) die Antwort eines Kommilitonen. Sich selbst steuern, Sachen verstehen, indem man bewusst auf Gelerntes (aha! man lernt also doch!) zurückgreift uswusf.
Zusammengefasst: man wird zum Computer mit einem sehr speziellen Ablagesystem. Sage ich.
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16) Abgreifen, was abzugreifen geht.
Egal, ob das Geld knapp sitzt oder am Geldende auch der Monat komplett rum ist: im Studium lernt man, alles, was irgendwie günstig oder umsonst ist, aufzuspüren. Es ist eine regelrechte Gabe. Und wenn man gewieft ist, umgeht man dabei die Angebote, die nur auf Datenklau aus sind. Merke: wer mir etwas schenken WILL, braucht meine Adresse nicht zu erfahren.
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18) Oberflächliche Kommunikation gewinnt.
Nirgendwo sah ich so viel Freundlichkeit, Zuhören, wo Mist geredet wurde und die hohe Kunst des sich Verabschiedens. Letzteres habe ich allerdings mehr beobachtet statt gelernt. Das schnöde “tschüss” scheint jedenfalls zum Rudeltier avanciert zu sein.
Und Menschen, die Schwachsinn reden, werden selbst trotz kostbarer Zeit und höherer Position nur seltenst-st-st von Professoren et al. daran gehindert. Nett.
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19) Professoren werden überbewertet.
Mein Studium bestand zu 70% aus wissenschaftlichen Mitarbeitern (arme, unterbezahlte, aber nette Menschen), 15% Profs und 5% Doktoren.
Die dennoch hohe Profzahl kommt daher, dass diese bei uns immer die Einführungsvorlesungen halten. Ich kenne aber auch Studis, die den Prof ihres Hauptfaches auch im höheren Semester noch nie gesehen haben.
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20) Es lehre, wer gerade da ist.
Offiziell sind wir hier, um auf hohem Niveau zu lernen. Deshalb gibt es für die Studenten auch einige Beschränkungen. Auf der anderen Seite darf aber “jeder” mit Abschluss (oder guter Position in der Wirtschaft) lehren. Es gibt keine Schulung über das wie und einigen fehlt auch leider das was.
Siehe Dozent/in X (ich bin ja nicht so fies…), der/die in meinem 3. Semester unterrichtete, aber schon in der ersten Sitzung durchblicken ließ, dass er/sie keine Ahnung hat. In der Gliederung für das Seminar tauchte Begriff A auf, welcher zum einen ein Unterbegriff des Seminartitels war, b) nicht besonders spezifisch und c) von uns im ersten Semester gelernt wurde. Ach und d) zu den Grundlagen der Disziplin gehört. Aber Dozent/in X, der/ die die Veranstaltung eigenhändig konzipiert hatte, wusste leider nicht, was das war.
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21) Keiner kann mir etwas tun.
Von klein an lernt man, sich für seine Taten zu rechtfertigen, dass alles auf einen zurückfüllt und überhaupt: alles im Leben ist furchtbar ernst und Strafe folgt auf dem Fuß.
Irrtum.
Das klappt leider nur mit meinem Abschluss und geht nicht für Bachelor und Diplomer, ist aber ungeheuer beruhigend. Man kann im Prinzip tun, was man will, es hat keine großen Auswirkungen. Durch eine Prüfung gefallen? Weiß ja keiner! Man schreibt dann eben eine andere. Das Ergebnis war schlecht? Selbe Tat, den Leistungsschein der schlechten Arbeit wegwerfen! Man hat sich daneben benommen? Frechheit siegt. Oder der Umstand, dass man in der Masse oft untergeht. Das Wetter ist schön? Wenn es keine Einschreiblisten (die vor dem Gesetz übrigens nicht standhalten…) gibt, geht man eben schwimmen. Das ist kein Aufruf zur Rebellion (deshalb empfehle ich auch die beliebte Unterschriftenfälschung für o.g. Listen nicht), sondern eine Tatsache. Offizielleres Beispiel?
Junger Student: “Frau Professor X, ich kann nächste Woche leider nicht kommen, aber ich reiche einen Beleg ein *fasel*“
Professorin, damals 63 Jahre alt: “Ist mir völlig egal.“
Das ist Gelassenheit pur.
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22) In der Uni gibt es die besten Zitate
Sportlerzitate langweilen Dich auch so? Dann komm an die Uni!
Es beginnt mit
“Ich bin Doktor X und begrüße Sie [kurzer Monolog]. Ach egal, ich vergesse das sowieso immer. Ich bin die Karin und sag “Du” zu euch, okay?!“
geht weiter mit
“Warum ist eigentlich noch keiner darauf gekommen, Hartz IV mit HIV abzukürzen?“
(sagte er übrigens, bevor die Medien damit anfingen!) bis hin zu
“Denken Sie sich eine horizontale Linie an der Tafel. Verlängern Sie sie in Gedanken bis zur Tür, öffnen diese bitte, verlängern die Linie in den Flur und schließen die Tür dann von außen.“
(1 & 2 live erlebt, 3 mal irgendwo gelesen)
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23) Wohnheimweisheiten
1) “kleine Baustelle” ist ein Euphemismus für “dauert ein paar Monate”.
Das kann auch heißen, dass man den ganzen Tag auf einem Zimmer ohne direkten Toilettenzugang eingesperrt ist, weil der Gang frisch betoniert wird.
2) Dass es in einem Wohnheim Ratten gibt (Aushang des Hausmeisters im Keller(!)) ist weder eine Besonderheit noch ein Grund, es nicht als “modern” zu beschreiben.
3) Zwischen total einsam (“Ich hab ein Date, ich muss zurück an meinen PC”) bis hin zu total verrückt (er wollte sein Zimmer orange streichen und erhielt ein rosanes, Fazit: nie wieder Besuch) ist alles vertreten.
4) Der Witz, dass sich der Feueralarm auf Chinesen, die ein Tier kochen, begründet, ist ironischerweise nicht immer ein Gerücht.
5) Faustdicke Löcher in der Wand sind der beste Kontakt zum Nachbarn und interessieren die Wohnheimleitung nicht.
Zitat Betroffener: “Hallo?” Da konnte ich meine ganze Hand durchstecken. Es war direkt an seinem Bett, ich hätte ihn nachts streicheln können!“
6) Wer den Zugangscode kennt, kann als Nicht-Wohnheimler ein hübsches Silvester auf dem Laubengang (außen ums Gebäude führend) im sechsten Stock verbringen und wird dabei noch freundlich gegrüßt.
7) Gangpartys sorgen für einen hohen Alkoholpegel und viele Erkältungen. s.o.
8 ) Wer selbstbewusst schaut, wird auch als Fremder für einen “Insassen” gehalten und kann ohne Schlüssel tun und lassen, was er will. Das übrigens auch noch, nachdem aufgrund der zunehmenden Diebstähle alle Türen verriegelt und der Türcode abgeschafft wurde.
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24) Bus(haltestellen)weisheiten
1) Studenten sind minderwertige Fahrgäste. Zumindest handeln die Busfahrer danach: trotz Klingeln nicht halten, übers Mikro als “blöd” beschimpfen, weil der Bus zu voll ist, warten, bis ein Studi angerannt kommt und wenn er direkt vor der Tür steht: diese schließen und losfahren.
2) Mindestens ein Raucher steht bei Regen im Wartehäuschen. Als Nichtraucher ist ein Schirm also unverzichtbar.
3) Ältere fitte Leute schimpfen auch dann noch über “diese jungen Leute”, wenn man ihnen von sich aus seinen Platz anbietet. Kleine ältere Menschen mit offensichtlicher Gehbehinderung dagegen lehnen den Sitz meist freundlich lächelnd ab.
4) Partys sind out, Buskuscheln ist in! Wenn die Belegschaft für 2 Busse mit einem auskommen soll, eine Zwangssituation.
…not to be continued…