So verwirrend, wie unser Leben im Dienste der serviceorientierten Bosheit begonnen hatte, so chaotisch ging es auch weiter. Von nun an hatten unsere Wohnung und Besitztümer einiges zu erleiden. Mit der Zeit lernten wir zwar, unsere Wünsche zu präzisieren, doch eine echte böse Fee findet immer einen Weg.
Schon bald lernten wir weitere Mitstreiter im Kampf gegen die Barmherzigkeit kennen. In besonderer Erinnerung verblieb meinem Geliebten vor allem Cericatus, welcher es auf dessen Auto abgesehen hatte. Es begann alles recht harmlos damit, dass Cúthalion sich einen echten Mercedes wünschte. Er dachte sogar daran, seinen Wunschbearbeiter daran zu erinnern, dass die Marke Smart der Daimler AG zugehörig war. Zu seinem Glück erhielt er tatsächlich einen echten Mercedes, zu seinem Leidwesen hatte der „echte Mercedes“ auch einen echten Kolbenfresser inklusive vierer echt platter Reifen. Um das Beste aus der Situation zu machen, konzentrierte sich Cúthalion darauf, alles Notwendige für die teure Reparatur zu bekommen, doch wieder durchkreuzte Cericatus seine Pläne. Mit einem lauten „plopp“ verschwand der Mercedes, stattdessen erschien ein Trabant vor unserer Haustür. Auf dem Beifahrersitz lagen eine Packung Kleber und eine Grußkarte. Darauf standen mit fast unleserlich die Worte „Voilá, hier ist ein original Trabbi, da reicht eine Tube Uhu!“.
Muss ich hinzufügen, dass auch dieser Wagen mit allem ausgestattet war, was ein „echtes“ oder „originales“ Auto braucht? Kolbenfresser und vier kaputte Reifen frei haus. Was liebten wir die Feenwelt in diesen Tagen!
Doch auch ich blieb nicht verschont. Die dritte Fee im Unheilsbunde, Nahc, hatte mich entdeckt. Auch sie würde mir noch viele Überraschungen bereiten. Sie stellte sich vor, indem sie großzügig Putzmittel auf meiner Tastatur verteilte, da sie meine Aufforderung, den Verantwortlichen für mein Computerproblem „pronto!“ zu finden, etwas zu wörtlich genommen und den Großteil meiner Worte überhört hatte.
Der Ärger über dieses neue Unheil ließ mich eine weitere Dummheit begehen. Ich wünschte mir eine Giraffe. Es war wirklich ein wunderschönes Exemplar, „ein ganz reizendes Tier“, wie mir bei der Übergabe versichert wurde. Ich nannte sie Genoveva. Genoveva hatte lange, dichte Wimpern und einen ganz bezaubernden Augenaufschlag. Sie war verschmust, stubenrein und offensichtlich sehr klug. Oh, wie glücklich fühlte ich mich in diesem Moment! Dies war der erste Wunsch, der kein Leid über mich brachte! Doch Schönheit und Intelligenz forderten ihren Tribut. Sie wurde hungrig. Sehr hungrig. Doch Giraffen wären nicht Giraffen, wenn sie sich nicht zu helfen wüssten. Sie fraß nicht nur unseren, sondern auch den Garten unserer von nun an sehr garstigen Nachbarn leer.
Dennoch liebte ich Genoveva über alles. Der Zorn meines Nachbarn hatte zudem meinen Trotz geweckt. Bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit wünschte ich mir, dass meine Haus- und Hofgiraffe Nachwuchs bekommen würde. Max, wie ich den kleinen Bullen taufte, war ein ebenso herziges wie verfressenes Tier. Dem Fluch eines weiteren Wunsches sei dank bekamen meine Giraffen in diesem Monat genügend Futter… ein innerer Wahn trieb mich mehrmals am Tag in das nahe gelegene Gartencenter, um Nachschub zu holen.
Der Monat war noch nicht ganz vorbei und versprach noch spannender zu werden. Ich konnte mein Glück kaum fassen…
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