Noch vor ein paar Monaten hätte ich ungläubig mit dem Kopf geschüttelt, hätte mir jemand erzählt, was der Frühling mit sich bringen würde. Ich, ein unschuldiges Mädchen vom Lande, eine böse Fee? Aber halt, ich greife vor. Beginnen wir im Mai, dem Monat, der mein Weltbild erschütterte.
Wie es den Studenten so eigen ist, verbrachte ich viel Zeit damit, mich auf der schmalen Linie zwischen Dauerschlaf und bildungsbedingter Panik zu bewegen. Ich hörte Musik aus fernen Ländern, versuchte morgens zumindest gelegentlich pünktlich aufzustehen und der geistigen Umnachtung zu entfliehen. Bis zu jenem ersten Mai nun hielt ich das Reich der Feen und anderer Fabelwesen für Utopie, für schöne Geschichten für Kinder und Träumer.
Und dann kam sie.
Sie war klein und pink – mehr darf ich euch leider nicht berichten. Feen sind sehr spezielle Wesen. Ich vermute insgeheim, dass sie nicht ganz unbeteiligt an diversen Streitigkeiten im Internet sind – ihr wisst schon, wenn der Anwalt und das Inkassounternehmen plötzlich Briefe schreiben.
Aber ich schweife ab.
Sie hieß Luz und bot mir an, für einige Zeit ihren Job zu übernehmen. Im Gegenzug bekäme ich einige magische Fähigkeiten. Die Spielregeln waren recht einfach: jemand sprach einen Wunsch aus, ich fuchtelte ein wenig ungelenk mit meinem Zauberstab (einem dicken Draht, den ich irgendwo auf einer Baustelle fand) hin und her und schwupps! ging der Wunsch in Erfüllung. Damit das Wunschdepot nicht Gefahr lief, sich zu leeren, musste ich ein neues Anliegen hineintun.
Bis hier klingt alles wunderbar, nicht wahr? Was Luz mir nicht verriet – Feen sind fiese kleine Biester. Ihr Charakter ist durch und durch verdorben. Ich wurde eine von ihnen und das Elend begann…
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