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Unsere Badewanne ist ein mystischer Ort.


Man mag meinen, dass sich in gewöhnlichen deutschen Badewannen nicht mehr als ein paar Staubflöckchen, Haare und hin und wieder sogar – aber nur gerüchteweise! – Wasser befindet. Ein fataler Irrtum, wie sich in den letzten Monaten herausstellte.
Allein in diesem Sommer begab es sich fünf Mal, dass einer von uns aufstand, schlaftrunken ins Bad torkelte und sich „Ach der schon wieder!“ dachte. „Der“ sind eigentlich „die“ und fliegen regelmäßig aus dem zweiten Stock. Genützt hat es bisher nichts und ich bin mir sicher, dass schon bald wieder einer von uns „Hugo ist schon wieder da“ zum anderen sagen wird. Gegenkommentar wird wahrscheinlich ein gelangweiltes „ach“ oder „wirklich?“ sein.

Moment, Hugo?!
Badewanne?!
Aus dem zweiten Stock werfen?!

Hugo ist der Prototyp der Spinnen, die uns häufig morgens treuherzig aus der Badewanne anschauen. Hugos sind Weberknechte oder ähnlich niedliche Langbeinchen. Aber nein, hier hört der Wahnsinn noch nicht auf, wir haben noch mehr von der Sorte.


Unsere erste Spinne, die kurz nach dem Einzug vor zwei Jahren auftauchte, hört auf den Namen Stephan. Ich habe das offizielle Verbot, Stephan zu entsorgen. Wahrscheinlich gilt das auch für den Fall, dass Stephan stirbt. Unser Urspinnerich lebt unter der Heizung (rechts) in der Küche. Wenn er denn noch lebt. Ich bin in jedem Fall unschuldig.


Als nächstes kam Paul, mein besonderer Freund. Als wir unser Bett noch an der Heizung stehen hatten, befürchtete ich jede Nacht, mein Kissen mit ihm teilen zu müssen, da es immer auf geheimnisvolle Weise in seine Richtung driftete. Paul ist auch eine in der rechten Ecke unter der Heizung lebende Spinne wie Stephan. Manchmal krabbelt er auch einen halben Meter in Richtung der jetzigen Kopfposition des Bettes, aber anscheinend lohnt sich die Sache nicht genug, um den coolen Heizungsplatz aufzugeben.


Zwischenzeitlich tauchte im Flur ein Kommilitone unserer Mitbewohner auf, wie der hieß, hab ich aber vergessen, da er sehr schnell starb. Und noch lange unter der Decke rumhing. Scary.


Unser vorletzter Dauerzugang ist Bernd, die Deprispinne. Bernd haust in der Ecke zwei Meter über Paul und starrt unsere wunderschöne weiße Raufasertapete an. Jeden Tag. Es muss ihn wohl glücklich machen. Nur wenn er sich umdreht, wird es gefährlich fröhlich, dort hängt nämlich auch ein leuchtend grünes Netzregal.


Der Grund, warum auch Paul und Bernd zu Namen kamen, ist Hein. Da das Verhältnis von dauerhaft hier lebenden Spinnen zu dauerhaft hier lebenden Menschen mittlerweile 5:2 beträgt, wäre es unfair, wenn nur die Oldies Namen erhielten. Hein hat sich sein Heim – wie sollte es anders sein – an der Heizung eingerichtet. Ja, richtig, rechts. Allerdings oben. So kann er auch besser auf die Toilette schauen… ähem. Was Hein hier eigentlich will, ist mir nicht ganz klar, aber wir haben uns dafür entschieden, alle standorttreuen Spinnen zu behalten. Zumindest, wenn sie Langbeine sind, diese kleinen fiesen dicken Wusel werden wohl das Hugoschicksal erleiden müssen.

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