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Eigentlich beschrifte ich Kopien nur, wenn es etwas zum Text anzumerken gibt. Manchmal hebe ich etwas ganz besonders hervor, wenn es mich freudig oder ungläubig zum Lachen bringt.
Nicht so heute.
Glaser und Strauss – 2 bekannte Forscher im ach so undefinierten Gebiet der Soziologie, verleiteten mich tatsächlich dazu, meine Gedanken zu verbild- und verschriftlichen. Schon bei der Lektüre ihres 1967 erschienen Werkes über die Entdeckung der Grounded Theory (datenbasierte Theorie – man erfasse Massen an Daten (zB Interviews), stecke sie in selbst erfundene Kategorien und tue nachher so, als hätte man die beste Theorie der Welt, um mal zu polemisieren) hätte ich schreien können vor Abscheu. Nun sitze ich hier mit einem Energydrink, der diesem Text um nichts in ekelhafter Süße nachsteht.
Auf meinem Blatt: eine Skizze von Prof. Snape mit dem wunderbaren Satz
„I may vomit“.
Yes, I’d really like to vomit!
Ich schreibe eine Arbeit über die Selbstbeweihräucherung zweier Männer, deren Intention ich ein wenig, deren Rechtfertigung ich aber überhaupt nicht verstehe! Gefühlte 40% des Buches entbehren jeder Grundlage. Eine „Logik der Forschung“, um es mit Sir K. R. Popper auszudrücken, entdecke ich ebenfalls nicht. „Die Theorie kontrolliert sich selbst“. Welch grandioser Satz. Ich weiß zwar nicht, wie die kleine Theorie das macht oder ob ich als Forscher auch nur irgendetwas dazu beitragen muss – geschweige denn, ob ich es bemerke, aber Hauptsache, es steht im Buch. Dass man diesen Aussagen nicht trauen und sich nicht darauf beziehen darf, merkte ich ja spätestens bei einer mündlichen Prüfung, als ich mich an etwas, das mein Prüfer in einer Vorlesung gesagt hatte, erinnerte und dies auf mein Thema anwandte. Schlag ins Wasser, ich danke schön.
Vermutlich können die Wenigsten, die das lesen (gibt es die überhaupt?!), nachvollziehen, warum ich mich schier kaputtlache, wenn die Herren Autoren zugeben, dass ein Teil ihrer Daten wahrscheinlich „nicht ganz genau“ ist. An dieser Stelle fügte ich ein orange leuchtendes „*lol*“ in den Text ein…
In den wenigen mir vorliegenden Blättern von „Betreuung von Sterbenden“ entdecke ich kaum eine Seite, auf der nicht dick und fett steht, dass die von ihnen entwickelte Methode (die damals noch keinen Namen trug) die einzig richtige sei.
Und alle Probleme löse.
Und wahrscheinlich auch die Welt retten würde. Naja, fast.
Der Stil der Schriften ist eine Mischung aus Anbiederung und von-oben-herabschauen (ihr wisst ja, der Weltfrieden). Ganze 7 Seiten habe ich mit vielen Unterbrechungen gelesen (noch immer in schauriger Erinnerung an „The Discovery of Grounded Theory“, welche ich mir letztes Jahr zu Gemüte führte) und schon muss ich Schmähungen dahinkritzeln und bloggen, um nicht zu explodieren.
Dabei las ich noch nicht einmal Glasers Rundumschlag gegen seinen ehemaligen Kollegen Strauss und dessen spätere Forschungspartnerin Juliet Corbin (1). Er bzw. später beide hätten die G.T. unter anderem verfälscht und sich zu eigen gemacht. Laut Strübing (2) „harter Tobak“ und in etwa so wissenschaftlich wie meine „Freude“ über die bloße Existenz dieses Konzeptes… Gewehrt hat sich Strauss übrigens trotz der teils auch sehr persönlichen Angriffe nie. Er starb 4 Jahre später, Glaser tobt sich derweil in Büchern und seinem selbst gegründeten Forum (3) aus.
Hurra!
Ich schweife ab… lange Rede kurzer Sinn: wenn ich Punktabzug für mangelnde Distanz zum Thema bekomme (und die Mitstreiterin, für die Numero 3 et moi fast alles gemacht haben, für ihren monotonen Kleckervortrag, welcher fast nur aus nicht gekennzeichneten Zitaten bestand, nicht), was bekommen dann diese beiden?
Karies?

1) „Emergence vs. Forcing“ von Glaser; 1992 – Einleitung
2) J. Strübing – „Grounded Theory“; 2004 – S.63
3) http://www.groundedtheory.com
(“The Grounded Theory Methodology of Barney G. Glaser, Ph.D., Hon Ph.D.”
)
Nachtrag 7.2.08
Zum Glück gibt es doch noch Menschen, die die GT in normale Worte packen können.
DANKE!
…dass manche Texte auch ohne das kleinste bisschen Beifallsheischerei auskommen.Oben erwähnter Karl Popper ist ja zeitlebens auch äußerst von sich überzeugt gewesen – allerdings gewürzt mit Sarkasmus und Ironie, statt hemmungslosem Zuckerguss.
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