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Rektoratskuscheln ahoj

Wobei mir zu allererst die Frage in den Sinn kam, warum die dafür Zuständigen das Wort immer falsch schrieben…

Rektoratskuscheln – welch hübsches Wort. Übersetzt könnte man es „alle-stellen-sich-vor-das-Rektoratsbüro-und-schweigen -für-mehr-Gerechtigkeit“ nennen. Über Sinn und Unsinn wurde in internen Kreisen schon gemunkelt. Einige besonders indilligähnte Studilenten waren der Meinung, die philosophische Fakultät solle sich nicht gegen die Missstände wehren sondern vermutlich lieber im Boden versinken. Ein anderer meinte freundlich, aber ernst, man solle doch einfach ein technisches Fach studieren. Wie das aussähe, kann ich mir gut vorstellen: eindimensionales Denken ohne Verschriftlichung („Oh Gott, Buchstaben aneinander reihen? Aber die Formeln sind doch in Sätzen formuliert! Das geht doch nicht, das kann ich nicht!“), während die großen Weisheiten über die Geschichte und das Sein des Menschen in allen Kulturen und Zeiten, seine Regeln, seine Künste, nur noch einer Bande von verschwörerischen Insidern und altgedienten PhilFakkern zugänglich wäre. Na wunderbar. Wir wussten ja schon, dass die Einführung des Bachelors ein Schlag ins Wasser war.

Hintergrund der ganzen Aufregung ist der neuerliche Skandal unserer werten Leitung, welche ein sagenhaftes Angebot bekam. Es erinnert ein wenig an das Märchen von Dornröschen: Die Studis sind Prinzen, die angelockt und getötet werden, der „Chef“ die Prinzessin, die von alledem nichts hört/ hören will und die Philosophische ist derweil das ehemals nette Schloss, welchem durch einen Fluch die Hände gebunden sind.

So funktioniert Hochschulpolitik heute!

Eines schönen Tages offerierte man den ostdeutschen Unis, ihnen 22.000€ (!!!) pro (!!!) neu eingeschriebenem Studenten zu zahlen, wenn der Gesamtstand der Neuzugänge den von 2005 überschritte.

Gesagt, getan.

Am schlimmsten traf es das Institut der Pädagogik. Gefolgt von Germanistik, Politikwissenschaft und Soziologie. Um die neuen Traumzahlen zu garantieren, war es ein Leichtes, einfach die Zugangsbeschränkungen unter den Tisch fallen zu lassen. Gegessen wird ja schließlich darauf. Von den Großen.

Nun trug es sich wie alle Jahre zu, dass die Studiengänge schon vorher geplant, ein gewisses Maß an Geld zugeteilt und die Mitarbeiterstellen darüber definiert wurden, wie gütig die großen Esser gerade sind. Nur leider ist die PhilFak der Harry Potter unter den Kindern dieser Welt: ein verhasstes Ziehkind, dass eine ganze Menge kann, großes Potential hat und das trotzdem in der Besenkammer wohnen muss, während Cousin Dudley alles in den Allerwertesten geschoben wird.

Pädagogik studieren nun sagenhafte 425 Erstsemester (und das, nachdem eine Professur schon seit Jahren am Sterben ist). Germanistik um die 200. Letzteres war für maximal die Hälfte geplant. Ersteres hat das Maß noch viel mehr überschritten. Diese dürfen nun Seminare (= Studenten arbeiten) mit über 100 Kommilitonen besuchen. Die Schmerzgrenze mit Bandage und Tablette liegt übrigens bei 45, im entsprechenden Ministerium träumt man von 30. Vorlesungen werden in die größten Säle gelegt, wer zu spät kommt, sitzt auf der Treppe. Auf dem Fußboden. Steht an die Heizung gelehnt.

Da freut sich das Herz wieder, Magister zu sein. Unsere Bedingungen waren zwar von Anfang an ähnlich besch…eiden, nur hat uns niemand versprochen, dass wir gut betreut werden. Dass es so grau aussieht, hat aber auch keiner gesagt.

Das Rektoratskuscheln sollte dem (Witz komm raus: Bachelor-!)Problem Abhilfe schaffen. Wenn es selbst soweit kommt, das Professoren lieber ihre Studis zum Protest aufrufen (wenn auch nicht selbst initiiert), statt dem „Professor Untat“-Schema zu folgen, sollte man sich doch irgend etwas dabei denken, oder?

Circa 300 entnervte PhilFakker kuschelten sich am geplanten Tag vor dem Büro des Rektors zusammen, während drinnen das berühmte Streitgespräch mit den Vertretern der Professur stattfand.

Rektoratskuscheln

Was ich bisher verschwieg – halbe Mitarbeiterstellen hat die Leitung immer frei.

Und davon gibt es nun endlich ein paar. Sogar einige Ganze. Und das „schon in der 3. Uniwoche“, wie sich ein Prof zynisch freute.

Wow! Mit dieser Geschwindigkeit wird also heute für morgen gearbeitet.
Verplanen – Geld an andere Stellen stecken – kritisiert werden – milde Gaben verteilen. Der Zirkus geht im nächsten Semester sicher von Neuem los.

In der Zeitung ward zu Semesterbeginn übrigens ein fröhliches Prinzesschen zitiert, welches sich über die vielen Prinzen freute…

Oh käme er doch bald!

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Die Sonne scheint, die Tauben tröpfeln.
Nicht, dass dieser Satz einen Sinn gäbe, aber erwähnt werden sollte er schon einmal.

Die Uni läuft wieder mehr oder weniger an, die ersten Seminare und Vorlesungen (oha, es ist tatsächlich ein Dozent aufgetaucht! Und das in der ersten Woche…) krümeln über die Woche. Jawohl: krümeln. Ganze 3 Veranstaltungen fanden statt. Zäh wie Keksteig, verstreut wie – na ja, Krümel eben. Ich wünsche mir fast schon Weihnachten herbei. Denn dann jammern sie wieder: Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter mit und ohne Doktortitel: wir haben doch keine Zeit!
Ach, die Armen.
Wer in der ersten Woche überhaupt kommt, macht genau das Gleiche wie diejenigen der zweiten: nichts. Ein paar organisatorische Dinge, die mich armen Magister unter Bachelorkiddes und uniformen Maschinenbauern so oder so nicht interessieren. Aber wir haben ja keine Zeit.

Am Schönsten sind für gewöhnlich die Seminare (Vorlesungen dienen nach Ansicht der Bierfraktion der Partykompensation). Hat man Glück, wird zu Beginn diskutiert, wie das Seminar zu gestalten ist.

Referate?

(Neiiin! Kaum ein Student ist dazu in der Lage)

Moderationen mit Diskussion?

(= Referate mit Zwangsdiskussion oder großem Schweigen nach lahmer Fragestellung)

Oder doch dieses tolle Konzept mit dem freien Arbeiten und der Präsentation?

(= kein Unterschied, da die mangelnde Unterstützung der Dozenten uns wiedereinmal zu Punkt 1 führt: grottiges Referat mit eigenständiger Literaturrecherche)

Welcher Depp kam eigentlich auf die glorreiche Idee, Studis vor Studis zu stellen und dann tatsächlich zu glauben, dass irgend jemand etwas lernt?
- besch…eidene Rhetorik,
- viel zu viele Details
- keine provokanten Diskussionsfragen
- stotterndes Vorlesen
- null Disziplin.
Willkommen an der Universität, werte Damen und Herren!

Nicht, dass Professoren heutzutage so etwas wie Didaktik kennen lernen würden, ehe sie berufen werden. Aber immerhin überraschen sie einen hin und wieder. Zumal die meisten wenigstens Routine und ein klein wenig Autorität haben. Hofft man.

Ein Glück, dass wir für so etwas keine Zeit haben.
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Es ist Mittag und das TV zeigt uns mal wieder die wunderbare Welt der Coachings.
Zwei Übergewichtige – Anja und Michael – sind seit Jahren arbeitslos und bekommen nun die üblichen Aufgaben gestellt. Jeder muss Passanten in einem Einkaufszentrum Rosen überreichen. Selbstverständlich musste Anja dazu von der östliche Heimat in den tiefen Westen reisen. Wie nicht anders zu erwarten, haben viele der Angesprochenen das Angebot abgelehnt. Und – Überraschung! – natürlich kommt die These auf, dass es (oder auch nicht) etwas mit dem Gewicht der beiden zu tun hat. Auch in der Vorschau für morgen: Michael erklärt Anja, dass sie fett sei. Er selbst scheint kein Gramm weniger zu wiegen, gab sich im Einkaufszentrum schlussendlich als charismatische Person aus. Juhu.
Nun fragt man sich doch, auf welchen Klischees und Standards wir übermorgen rumreiten können. Die sehr hübsche, aber auch sehr mollige Arbeitslose muss vielleicht nur abnehmen und bekommt sofort Selbstbewusstsein und im Anschluss einen Job? Am besten noch im gönnerhaften Westen.


Nächstes Beispiel: Dr. House, „Que será será“, gestern Abend.
Ein extrem übergewichtiger (suizidal adipös: >220kg) Mann wird von der Feuerwehr für tot erklärt, alle machen sich über ihn lustig, bis einer feststellt, dass „der Fette“ noch lebt. Im Krankenhaus weigert sich der Patient, an Untersuchungen teilzunehmen, welche eine Diagnose zulassen würden, die nur auf sein Gewicht zurückzuführen sind. Und tatsächlich: er hat „nur“ Lungenkrebs. Hurra, hurra, Dr. Chase mit der starken Dickenphobie, der ihn gar nicht behandeln wollte, hatte Unrecht. Dass die Folge trotzdem die ganze Zeit über einen bösen Unterton hatte: geschenkt.
Die Gesellschaft wandelt sich angeblich gerade hin zu „Ich habe ein paar Kilo zu viel? Na und!“. Trotzdem merkt man weder in den Medien noch im Allgemeinen auf der Straße etwas davon. Nur H&M geben in ihrem Onlineshop die Maße der Klamotten für Größe 40 an.

Ha! Diskriminierung der Schlankeren!

;)
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Regenrot hat

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