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Meine Kanarien müssen auch manchmal kacken!
Alles fing recht harmlos damit an, dass ich einen günstigen Plastikordner für unterwegs suchte. Da die Preise schon über den Dachboden hinaus sind, war ich recht glücklich, als ich einen halbwegs bezahlbaren mit netten Fischen und dezentem Design fand.
Doch an der Kasse dann der Schock: auf der Vorderseite befand sich ein knuffiges Eisbärenbaby!
An und für sich habe ich ja nichts gegen Tierkinder einzuwenden, allerdings wuselt oben in Berlin so ein kleines dreckigweißes Fellbündel durch die Tiererhaltungseinzäunanlage mit Gaffereffekt. Als ihn noch kaum ein Mensch kannte, verschickte ich unwissend, wer der kleine Verstoßene war, herzallerliebste Fotos von ihm.
Eine Woche später konnte man ihm nicht mehr entfliehen.
Meinen Plasteirgendwasaufbewahrordner habe ich immer noch und bei jeder Vorlesung zücke ich hin so unauffällig wie möglich, um an meine Sachen zu kommen. Heutzutage ist ein Eisbärenbild mehr als nur ein Zufallsprodukt der „Pretty Pets“-Serie von Herlitz, nein, es ist ein Statement.
Wohlgemerkt eines, welches ich nicht abgeben will.
Als meine Familie sich eine Katze zulegte, habe ich auch alle damit erfreut, von ihr zu erzählen. Das beschränkte sich allerdings auf Freunde und Bekannte und enthielt eher Schilderungen über ihr etwas seltsames Verhalten denn über ihre Ausscheidungen, Fressvorlieben, Lieblingsbälle und weiß der Teufel was noch. Mediale Masseninszenierung lehrt Menschen süße Wuschelviecher zu hassen. Irgendwann trennt man einfach nicht mehr zwischen Knuddelwuddelknut und Bilderflutwut. Im Internet gibt es mittlerweile sogar Hassgruppen mit Namen wie „Kill Knut“, „Knut ist das glorifizierte Böse“ oder „Knut wird mal mein Bettvorleger“. Die haben im Übrigen sehr kreative Fotomontagen.
Und ja, ich habe Angst.
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Ist es legitim, sich beim Geschäftsführer über den Geschäftsführer zu beschweren?
Um die Ecke ist eine kleine Apotheke mit einer sehr netten älteren und einer normalen Apothekerin. Und dann ist da noch er. Ein A… ohnegleichen.
Und der Geschäftsführer.
Ein Mensch, der die Güte hat, im lauten Befehlston (militärisch) Erklärungen über ein wirklich sensibles Thema abzugeben und einen dabei noch anzusehen, als wüsste er sonst was Unschickliches über seine Kunden, gehört verboten.
Aber wie stellt man das an?
Ich kann schlecht den Geschäftsführer verlangen und ihm „Ich möchte eine Beschwerde über einen Ihrer Mitarbeiter einreichen… Sie!“ ins Ohr zwitschern… Ein Brief würde Namen und Adresse verlangen (was geht den das an?!) um ernst genommen zu werden, eine Mailadresse gibt es nicht…
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…so oder so ähnlich muss der werte Herr Dozent für Erwachsenenbildung sich und uns einschätzen.
Wir (armen Schweine) lernen schließlich fleißig lustige Dinge über Lernverhalten, Belastungsgrenzen und dergleichen mehr. Auch Kreativität sollte nicht zu kurz kommen. Man hat ja Ansprüche heutzutage.
Wenn ich dann mal die heutige Stunde vergleichend zusammenfassen darf:
Theorie: Eine Lerneinheit sollte maximal 90 Minuten betragen, danach sinkt die Aufmerksamkeit erheblich.
Praxis: 150 Minuten ohne Pause sollte für eine Gruppe junger Menschen und einen zu Monologen neigenden Dozenten mit Stimmproblemen ja kein Problem sein.
Theorie: Die ersten 2 Minuten einer Pause sind wesentlich erholsamer als die letzten beiden. Also besser öfter kurze als eine lange Pause einlegen.
Praxis: Witze oder Abschweifungen gelten bereits als Pause. Sogar dann, wenn man diesen Fakt nur weitergibt.
Theorie: Der Unterricht sollte mit verschiedenen Methoden von statten gehen.
Praxis: Monologe sind was Feines!
Theorie: Fragen erwecken die Aufmerksamkeit und geben den Teilnehmern das Gefühl, aktiv mitgestalten zu können.
Praxis: Stelle Deine rhetorischen Fragen so geschickt, dass sie erst eine Weile überlegen müssen, ob sie antworten sollen oder Du wieder nur so tust als ob.
Theorie: Es ist zwingend notwendig, die Teilnehmer nach ihren Wünschen und Vorstellungen zu befragen.
Praxis: Hauptsache, man erwähnt diesen Satz drei Mal pro Seminar.
Theorie: Freies, freies Sprechen über alles!
Praxis: …oder man diktiert einfach den gesamten Stoff, durchmischt vom Vorlesen von Folien.
Nachdem nun die winzigen, feinen, fast nicht zu bemerkenden Unterschiede zwischen Unirealität (Vorbild!) und Theorie (Vorbild?!) geklärt sind – möchte mich tatsächlich noch ein Arbeitgeber einstellen?
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Im zweiten Seminar des Tages las ich noch friedlich meine Zeitung, erfuhr, dass 10% Sozialkompetenz bei Bäääätschelorstudenten (jetzt ist mir doch glatt die „ä“-Taste ausgerutscht… na so was!) ein Bildungsziel darstellen und ahnte nichts Böses. Schließlich ist man als Magister meist in der Überzahl oder hält sich von den – ja was eigentlich? Wir nennen sie meist „Kinder“ – fern.
Doch in Seminar Numero 3 kam der Kulturschock: überall waren sie!
Links! (Ein Fenster)
Rechts! (Nur meine Magisterfreundin)
Hinten! (Puh, eine weiße Wand)
Vorn! (Neeeiiiin!)
Schon, als ich den Raum der vorigen Veranstaltung verließ, hatte ich ein seltsames Gefühl ob der jugendlich-unbelasteten Gesichter… Als es nun in besagter Stunde daran ging, Referate zu verteilen, traf uns der Schlag. Brav und ruhig gingen sie wie in der Grundschule gelernt (so sah ich es im Praktikum) zu den Bänken der anderen und sprachen sich ab, während der Dozent schwieg. Kein Chaos, kein genervtes Melden á la „Ich muss jetzt aber den Schein haben!“, wie man es uns beibrachte. Die machten das alles freiwillig und ohne Aufforderung bis zu dem Punkt, als sich die Gruppen für die Themen bewerben sollten! Und selbst dann versuchten sie noch irgendwie ohne das obligatorische „Das ist mir jetzt aber egal, wer das macht!“ des Lehrenden eine Lösung zu finden. Natürlich unter Gemecker. ![]()
Für den Rest der Welt mag dass durchaus angenehm klingen, für einen sich überall durchbeißenden und ständig aus Seminaren rausgeworfenen Magister (wegen Überfüllung; wegen Störung wird man nur gebeten, Kaffee trinken zu gehen) ist das schlicht und einfach krank. Die kriegen Stundenpläne, kleine Seminare, müssen sich um nichts weltbelastendes Organisatorisches kümmern – und das für einen Abschluss, der in Deutschland und Europa wesentlich weniger wert ist als unserer?!
Wenn sich der Bätschie (wer denkt sich denn sowas aus?!) nicht gerade brav zu Vierergruppen zusammenfindet, sieht man ihn klumpenweise aus Räumen strömen, in der Cafeteria die Kaffeewarteschlange unnötig verlängern oder hilflos durch die Gegend irren.
Merke: ein einzelner Bachelor hat Angst! Er ist es gewöhnt, von seinesgleichen oder Dozenten, die ihn beim Vornamen kennen (wir haben so etwas gar nicht…) umgeben zu sein, Toiletten zu verstopfen (oder zu besetzen) und einen verwirrten Geist mit einem Lächeln zu übertünchen, dass man als hartgesottener Kämpfer im Hauptstudium schon längst vergessen glaubte.
Während wir vom Aussterben bedroht sind, wir, die letzten Akademiker ohne den Makel des berufsbefähigenden Abschlusses, der ja doch keiner ist (man denke an einen Jurist mit B.-Abschluss), besiedeln sie unser Gebiet. Unsere Seminare sind seit 3 Jahren chronisch überfüllt, da man uns ständig sagt, es wäre „das letzte Mal“. Wir prügeln uns um Referate und Hausarbeiten, für die wir unter normalen Umständen den Dozenten auslachen würden.
Und dann sagte der batchelorfreundliche Mensch da vorn heute noch böse Sätze über das Sterben der Gothics in seinem Seminar…
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Die, die mich kennen, werden jetzt andächtig nicken und dabei den zweiten unterschlagen.
Na danke.
Aus einer Laune heraus überlegte ich mir letztes Jahr, dass Kanarien ein guter Lückenbüßer für Hund und Ratte darstellen könnten, nun habe ich den Salat (wenn sie ihn nicht dauernd fräßen…!).
Alpha ist von Beruf Kamikazeflieger, am Liebsten hüpft er möglichst kopfnah um mich und meinen Freund. Im Moment pendelt er gerade fröhlich zwischen Fernseher und Käfig. Außerdem mag er die Serien Stargate und Andromeda sehr gern. Ich bin mir fast sicher, dass sein infernalisch lauter Gesang in Wirklichkeit ein gekonntes Mitsprechen auf kanarisch ist. Bis auf die Nachrichten ist er sonst dem Fernsehen weniger zugetan.
Sein Brüderchen Beta ist etwas ruhiger. Er sitzt am Liebsten im Käfig oder im Schrank und schläft oder versucht, Alpha zu ärgern. Rosen sind seine Lieblingsblumen, egal ob echt oder aus Plastik, unter seinen Krallen sind sie genau richtig.
Abgesehen von ihren Prügeleien teilen sie nur ein Hobby: Das Zerpflücken von Küchenpapier. Alpha findet die Fetzen übrigens in der Wasserschale am Dekorativsten. Zur Not gehen aber auch die Futterschale (die man auch anknabbern kann) oder der Fußboden. Hauptsache, man kann mit ihnen Flugstunden abhalten.
Meinen Schreibtisch mögen sie gar nicht, den meines Freundes oder die Couch dafür um so mehr. Was sie allerdings am Türrahmen finden, ist mir ein Rätsel. Ob Alpha es für ein Stargate hält? Könnte erklären, warum er Beta immer zu sich pfeift, wenn er den Platz wechselt…
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Auf dem Friedhof meiner Wahl steht eine überdimensionale Jesusstatue. An und für sich ist dies auf einem derartigen Platz nichts besonderes.
Aaaber:
Dieses riesige weiße Etwas hat besondere Füße.
Extravagante Füße.
Es sind die Füße… meines besten Freundes.
Ihre „größte Auffälligkeit ist, dass der große Zeh nicht der größte ist,
sondern der daneben, was ja allgemeinhin als Insignie der Schönheit gehandelt wird auf den Basaren der Einordnung körperlicher Merkmale für Aussagen über die Person, die diese trägt“ (O-Ton des Dichten).
Dass auch dieser Eintrag nur eine der üblichen nichtssagenden Aussagen ist, weisen wir übrigens strengstens zurück. Seine Flossen bringen nämlich Glück.
Daumen sind out, es lebe das Privateigent… *räusper* es leben die seligen Füße.
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Nein, anscheinend nicht.
Nachdem ich gestern Angst vor der Post hatte (Pestilenzia! Du böses Weib!), erstellte ich mir heute aus Zugzwang diesen Block. Nicht einmal die Ausmusterung meines besten Freundes konnte sich in den porös-schwammigen Windungen meines Hirns halten.
Mich deucht, ich werde alt.
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